Innere Antreiber
Innere Antreiber sind innere Überzeugungen, die unser Denken, Fühlen und Handeln prägen – oft subtil, aber kraftvoll. Sie treiben uns an, geben Orientierung und Energie. Gleichzeitig können sie Druck erzeugen, Beziehungen belasten oder Entscheidungen verengen, wenn sie unreflektiert bleiben.
Gerade für Führungskräfte lohnt sich der Blick nach innen. Denn was uns antreibt, prägt auch, wie wir führen.
Was bedeutet Innere Antreiber?
Das Konzept der inneren Antreiber stammt ursprünglich aus der Transaktionsanalyse. Bekannt geworden sind vor allem fünf klassische Antreiber:
Sei perfekt
Sei stark
Streng dich an
Mach es allen recht
Beeil dich
Diese inneren Sätze wirken wie ein Betriebssystem im Hintergrund. Sie sind selten bewusst gewählt. Und oft waren sie einmal sinnvoll – vielleicht sogar überlebenswichtig im sozialen Kontext der Herkunftsfamilie.
Im Führungsalltag zeigen sie sich dann zum Beispiel so:
Die Präsentation wird zum dritten Mal überarbeitet, obwohl sie längst gut genug ist.
Feedback fällt schwer, weil Harmonie wichtiger erscheint als Klarheit.
Entscheidungen werden allein getroffen, weil Schwäche keine Option ist.
Und genau hier wird es spannend.
Warum sind Innere Antreiber für Führungskräfte relevant?
Führung bedeutet Wirkung. Und Wirkung entsteht nicht nur durch Strategie oder Fachkompetenz, sondern durch innere Haltung.
Innere Antreiber beeinflussen:
Entscheidungsfähigkeit: Perfektionismus kann Klarheit verzögern.
Kommunikation: „Mach es allen recht“ schwächt klare Positionierung.
Verantwortungsübernahme: „Sei stark“ verhindert Delegation.
Kultur: Antreiber wirken ansteckend – Teams übernehmen unbewusst den Ton.
Beispiel aus dem Alltag:
Eine Bereichsleiterin arbeitet konstant am Limit. Hohe Standards, null Fehlertoleranz. Die Ergebnisse stimmen. Aber im Team steigt die Anspannung. Krankmeldungen nehmen zu. Im Coaching wird sichtbar: Ihr innerer Antreiber „Sei perfekt“ wird zur kulturellen Norm – ohne dass sie es beabsichtigt hat.
Innere Antreiber sind also kein Persönlichkeitsdetail. Sie sind ein Führungsfaktor.
Typische Herausforderungen & Missverständnisse
1. „Antreiber sind schlecht.“
Nein. Sie enthalten Energie. Ohne „Streng dich an“ gäbe es keine Entwicklung. Die Frage ist nicht ob – sondern wie bewusst.
2. „Das ist halt meine Persönlichkeit.“
Antreiber sind Muster. Muster sind veränderbar – zumindest im Umgang damit.
3. „Wenn ich den Druck loslasse, sinkt meine Leistung.“
Viele Führungskräfte erleben das Gegenteil. Wenn Druck weicht, steigt Klarheit. Und oft auch Kreativität.
Methoden, Modelle und Ansätze
1. Das Antreiber-Modell der Transaktionsanalyse
Die fünf klassischen Antreiber bieten eine erste Orientierung. Hilfreich ist die Frage:
Wann hilft mir dieser Antreiber?
Wann kostet er mich Energie?
Wie wirkt er auf andere?
Allein diese Reflexion verändert oft schon die Selbstwahrnehmung.
2. Positive Intelligence (Shirzad Chamine)
Positive Intelligence
Das Modell von Shirzad Chamine erweitert die Perspektive. Es unterscheidet zwischen Saboteuren und dem inneren Weisen (Sage).
Die Saboteure entsprechen in gewisser Weise den inneren Antreibern – nur mit stärkerem Fokus auf ihre destruktive Seite. Beispiele:
Der Richter
Der Kontrolleur
Der Leistungsantreiber
Der Gefällige
Positive Intelligence geht einen Schritt weiter: Es trainiert mentale Fitness. Nicht durch Wegdrücken der Muster, sondern durch bewusste Unterbrechung und Aktivierung des „Sage“-Modus – geprägt von Neugier, Empathie, Innovation und klarer Handlung.
Mini-Übung (PQ-Reset, inspiriert von Positive Intelligence):
Kurz innehalten.
Aufmerksamkeit auf den Atem richten.
Einen Gegenstand bewusst mit allen Sinnen wahrnehmen.
Den inneren Druck benennen („Ah, mein Perfektionist ist aktiv.“).
Sich fragen: Was wäre jetzt eine kluge, konstruktive Reaktion?
Es klingt simpel. Ist es aber nicht. Und genau deshalb wirkt es.
3. Arbeit mit Glaubenssätzen
Hinter jedem Antreiber steht ein Glaubenssatz, z. B.:
„Ich bin nur wertvoll, wenn ich Leistung bringe.“
„Schwäche führt zu Kontrollverlust.“
Im Coaching werden diese Sätze überprüft. Nicht theoretisch, sondern an realen Führungssituationen.
4. Systemische Perspektive
Antreiber entstehen nie im luftleeren Raum. Sie haben eine Geschichte. Und sie wirken im System.
Fragen können sein:
Welche Dynamik verstärke ich unbewusst im Team?
Welche Erwartung projiziere ich auf andere?
Wo reagiere ich stärker, als die Situation es erfordert?
Konkrete Praxisimpulse
Hilfreich im Führungsalltag:
Eigene Stressmomente dokumentieren: Was ging mir innerlich durch den Kopf?
Feedback einholen: „Wie erlebst du mich unter Druck?“
Bewusst 80%-Lösungen zulassen – als Experiment.
Delegieren trotz innerem Widerstand.
Meetings mit einer Minute Stille beginnen.
Reflexionsfragen:
Welcher innere Satz begleitet mich seit Jahren?
Wovor schützt mich dieser Antreiber – und was kostet er mich?
Wie verändert sich mein Führungsverhalten, wenn ich innerlich einen Schritt zurücktrete?
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Mindset: beschreibt generelle Denkhaltungen; Antreiber sind spezifische innere Muster.
Glaubenssätze: Antreiber basieren auf Glaubenssätzen, sind jedoch handlungsleitend verdichtet.
Resilienz: Fähigkeit, mit Stress umzugehen; Antreiber können Resilienz stärken oder schwächen.
Perfektionismus: häufig Ausdruck des Antreibers „Sei perfekt“.
Motivation: Antreiber liefern Energie, Motivation ist breiter gefasst.
Coaching-Perspektive
Innere Antreiber zeigen sich besonders deutlich in Übergangsphasen:
Neue Führungsrolle
Restrukturierung
Konflikte im Top-Team
Hohe externe Erwartungshaltung
Typische Anliegen im Coaching:
„Ich arbeite permanent – und es reicht nie.“
„Ich kann nicht abschalten.“
„Ich fühle mich verantwortlich für alles.“
Coaching hilft, Muster bewusst zu erkennen, zu entkoppeln und alternative Handlungsoptionen zu entwickeln. Nicht durch Persönlichkeitsveränderung. Sondern durch bewusste Selbstführung.
Viele erleben dabei etwas Überraschendes: Wenn der innere Druck sinkt, steigt die Wirksamkeit.
Fazit
Innere Antreiber sind tief verankerte Leistungs- und Schutzmuster.
Sie enthalten Energie – und bergen Risiko bei Unbewusstheit.
Führung beginnt mit Selbstführung.
Positive Intelligence bietet einen praxistauglichen Trainingsansatz.
FAQ
Sind innere Antreiber angeboren?
Nein. Sie entstehen meist früh durch Erfahrungen, Erwartungen und soziale Prägung.
Kann man innere Antreiber verändern?
Man kann sie nicht „löschen“, aber ihren Einfluss deutlich reduzieren – durch Bewusstheit und Training mentaler Fitness.
Sind innere Antreiber im Top-Management häufiger?
Oft ja. Hohe Verantwortung zieht leistungsorientierte Persönlichkeiten an. Entscheidend ist jedoch nicht die Stärke des Antreibers, sondern die Fähigkeit zur Selbstregulation.
Manchmal merkt man erst später, wie stark die eigenen inneren Muster Entscheidungen prägen. Wenn Du das Gefühl hast, Dein Antreiber läuft häufiger mit als Dir lieb ist, lohnt sich ein genauer Blick.
Kurz sprechen? In einem vertraulichen Austausch klären wir, welche Muster Dich aktuell steuern – und wie Du wieder mehr Handlungsspielraum gewinnst.
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