Burnout
Burnout ist kein plötzlicher Zusammenbruch. Es ist ein schleichender Prozess, bei dem Energie, Sinn und innere Stabilität Schritt für Schritt verloren gehen. Oft merken Betroffene erst spät, dass sie längst über ihre Grenzen hinaus funktionieren.
Was bedeutet Burnout?
Burnout bezeichnet einen Zustand anhaltender Erschöpfung, der durch langfristigen Stress, hohe Verantwortung und fehlende Regeneration entsteht. Typisch sind emotionale Leere, innere Distanz zur Arbeit und das Gefühl, trotz großer Anstrengung nicht mehr wirksam zu sein.
Wichtig: Burnout ist keine medizinische Diagnose, sondern ein psychologisches Erklärungsmodell. Es beschreibt ein Muster – kein Urteil über Belastbarkeit oder Kompetenz.
Warum ist Burnout für Führungskräfte relevant?
Führungskräfte sind besonders gefährdet, weil sie:
dauerhaft Verantwortung für Menschen und Ergebnisse tragen
zwischen Erwartungen von oben und Bedürfnissen im Team stehen
wenig Raum für eigene Unsicherheit haben
sich selbst oft zuletzt wahrnehmen
Beispiel aus dem Alltag:
Eine Bereichsleiterin funktioniert zuverlässig, trifft Entscheidungen, hält Meetings. Nach außen souverän. Innerlich wächst die Müdigkeit. Freude bleibt aus. Pausen fühlen sich nicht mehr erholsam an. Irgendwann stellt sich die Frage: „Warum kostet mich alles so viel Kraft?“
Typische Herausforderungen & Missverständnisse
„Burnout trifft nur Schwache.“ → Falsch. Häufig sind es besonders engagierte, leistungsorientierte Menschen.
„Ein Urlaub löst das Problem.“ → Kurzfristig ja, strukturell meist nein.
„Ich muss mich nur besser organisieren.“ → Burnout ist selten ein reines Zeitproblem.
Ein zentrales Missverständnis: Burnout entsteht nicht durch zu viel Arbeit, sondern durch zu wenig wirksame Erholung, Sinn und Abgrenzung.
Modelle & Erklärungsansätze
1. Die drei Kernkomponenten
Emotionale Erschöpfung – nichts geht mehr richtig an
Depersonalisierung – innere Distanz, Zynismus
Reduzierte Leistungszufriedenheit – das Gefühl, nicht mehr wirksam zu sein
2. Stress-Ressourcen-Modell
Burnout entsteht, wenn Anforderungen dauerhaft höher sind als verfügbare Ressourcen:
Energie
Handlungsspielraum
soziale Unterstützung
Sinn & Selbstwirksamkeit
3. Burnout als Warnsignal
Aus Coaching-Perspektive ist Burnout kein Versagen, sondern ein Signal, dass etwas Wesentliches aus dem Gleichgewicht geraten ist – oft schon lange.
Konkrete Praxisimpulse
Hilfreich im Führungsalltag:
Frühwarnzeichen ernst nehmen (Schlaf, Reizbarkeit, Rückzug)
Arbeitslast und innere Antreiber trennen
Verantwortung teilen statt alles selbst tragen
Regeneration bewusst planen – nicht „nebenbei“
Mini-Übung (5 Minuten):
Was kostet mich aktuell am meisten Energie?
Was gibt mir spürbar Energie zurück?
Was davon ist verhandelbar – was nicht?
Wo übergehe ich regelmäßig eigene Grenzen?
Was wäre ein kleiner realistischer Schritt diese Woche?
Reflexionsfragen:
Woran merke ich, dass ich funktioniere statt wirke?
Welche Erwartungen trage ich, ohne sie je überprüft zu haben?
Was würde sich ändern, wenn ich mir selbst mehr Führung zugestehe?
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Stress: kurzfristige Belastungsreaktion – Burnout ist chronisch
Erschöpfung: Zustand – Burnout ist ein Muster
Depression: medizinische Diagnose – Burnout nicht
Überforderung: situativ – Burnout strukturell
Resilienz: Fähigkeit – kein Gegenpol, sondern Ressource
Coaching oder Therapie – was ist wann sinnvoll?
Diese Frage ist zentral – und verdient Klarheit.
Wann Coaching sinnvoll ist
Coaching kann unterstützen, wenn:
Leistungsfähigkeit grundsätzlich vorhanden ist
Reflexion, Veränderung und Selbststeuerung möglich sind
es um Rollenklärung, Grenzen, Prioritäten, innere Antreiber geht
Burnout-Anzeichen früh oder mittel ausgeprägt sind
Coaching arbeitet ressourcen- und zukunftsorientiert. Es ersetzt keine Therapie, kann aber präventiv und stabilisierend wirken.
Wann Therapie angezeigt ist
Therapie ist wichtig, wenn:
starke depressive Symptome auftreten
Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Angst dominieren
der Alltag kaum mehr bewältigt wird
körperliche oder psychische Symptome sich verschärfen
Therapie behandelt klinisch relevante Belastungen. Coaching und Therapie schließen sich nicht aus – sie erfüllen unterschiedliche Funktionen.
Merksatz:
Coaching begleitet Entwicklung. Therapie behandelt Erkrankung. Beides darf nebeneinander existieren.
Fazit
Burnout ist ein Prozess, kein persönliches Scheitern
Führungskräfte sind besonders betroffen – gerade die engagierten
Frühe Reflexion ist wirksamer als späte Reparatur
Coaching und Therapie haben klare, unterschiedliche Rollen
FAQ
Ist Burnout eine Krankheit?
Nein. Burnout ist ein Erklärungsmodell für chronische Erschöpfung, keine medizinische Diagnose.
Kann man mit Burnout noch führen?
Kurzfristig oft ja – langfristig leidet Qualität, Klarheit und Beziehungsgestaltung.
Ist Coaching bei Burnout gefährlich?
Nein, solange klar abgegrenzt wird. Coaching ersetzt keine Therapie, kann aber präventiv und begleitend sinnvoll sein.
Manchmal reicht ein ehrliches Gespräch, um wieder Orientierung zu bekommen. Gerade dann, wenn vieles gleichzeitig schwer geworden ist.
Kurz sprechen?
Ein klärendes Erstgespräch kann helfen, die Situation einzuordnen und nächste Schritte zu sortieren.
Disclaimer
Bitte beachte , dass die Inhalte unserer Website, einschließlich etwaiger Rechtsbeiträge, ausschließlich der allgemeinen Information dienen und keine Rechtsberatung darstellen. Diese Informationen können und sollen keine individuelle und verbindliche Rechtsberatung oder Coaching ersetzen, die auf deine spezifische Situation eingeht. Alle bereitgestellten Informationen erfolgen daher ohne Gewähr auf Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.