Glossar 7 Säulen der Resilienz mit Foto von Brigitta Wurnig

Resilienz 7 Säulen

Resilienz – oft beschrieben als psychische Widerstandskraft – ist die Fähigkeit, auch unter Druck stabil, klar und handlungsfähig zu bleiben. Das Modell der 7 Säulen der Resilienz bietet dafür eine gut greifbare Struktur. Es zeigt, welche inneren Haltungen Führungskräfte stärken können, um mit Unsicherheit, Konflikten und hoher Verantwortung konstruktiv umzugehen.

Gerade im Management wird Resilienz nicht „nice to have“, sondern zur Kernkompetenz.

Was bedeutet „Resilienz 7 Säulen“?

Das Konzept der 7 Säulen der Resilienz geht maßgeblich auf die Arbeiten von Ursula Nuber und Reivich & Shatté zurück und wurde im deutschsprachigen Raum weiterentwickelt. Es beschreibt sieben innere Haltungen, die Menschen helfen, Krisen zu bewältigen und gestärkt daraus hervorzugehen.

Diese sieben Säulen sind:

  1. Optimismus

  2. Akzeptanz

  3. Lösungsorientierung

  4. Selbstverantwortung

  5. Netzwerkorientierung

  6. Zukunftsplanung

  7. Opferrolle verlassen (bzw. Selbstwirksamkeit)

Wichtig: Resilienz bedeutet nicht, alles wegzustecken. Es geht nicht um Härte. Es geht um bewusste innere Stabilität.

Warum sind die 7 Säulen der Resilienz für Führungskräfte relevant?

Führung heißt heute: Komplexität moderieren. Widersprüche aushalten. Entscheidungen treffen, obwohl Informationen fehlen.

Resiliente Führungskräfte:

  • bleiben auch in kritischen Phasen ansprechbar

  • treffen reflektierte statt reaktive Entscheidungen

  • übernehmen Verantwortung ohne Selbstüberforderung

  • schaffen Vertrauen durch emotionale Stabilität

  • wirken als Orientierungspunkt in Change-Prozessen

Beispiel aus dem Alltag:
Ein wichtiger Kunde springt kurzfristig ab. Das Team ist verunsichert. Eine Führungskraft mit geringer Resilienz verfällt in Aktionismus oder Schuldzuweisungen. Eine resiliente Führungskraft nimmt den Schock wahr, akzeptiert die Situation – und fragt dann: „Was liegt jetzt in unserem Einflussbereich?“

Genau da zeigt sich Führung.

Typische Herausforderungen & Missverständnisse

1. Resilienz = Belastbarkeit?
Nein. Dauerhafte Überlastung macht krank. Resilienz heißt nicht, Grenzen zu ignorieren, sondern sie bewusst zu managen.

2. Resilienz ist angeboren?
Teilweise gibt es Persönlichkeitsanteile. Aber die 7 Säulen lassen sich trainieren – durch Reflexion und bewusste Achtsamkeits-Praxis.

3. Wer resilient ist, zeigt keine Emotionen?
Im Gegenteil. Resiliente Menschen nehmen Gefühle wahr – und lassen sich nicht von ihnen steuern.

4. Resilienz ist Privatsache?
Nein. Führungskräfte prägen Kultur. Ihre Haltung wirkt direkt auf Vertrauen, Kommunikation und Zusammenarbeit.

Methoden, Modelle & Ansätze

1. Die 7-Säulen-Standortanalyse

Eine einfache, wirkungsvolle Übung:

  • Bewerte jede Säule auf einer Skala von 1–10.

  • Wo stehst du aktuell stabil?

  • Wo reagierst du eher impulsiv oder defensiv?

  • Welche Säule braucht gerade Aufmerksamkeit?

Das schafft Klarheit statt diffuses „Ich bin gestresst“.

2. Das ABC-Modell (kognitive Neubewertung)

Ebenfalls bekannt aus der Resilienzforschung von Martin Seligman:

  • A – Adversity: Was ist konkret passiert?

  • B – Beliefs: Welche Gedanken habe ich dazu?

  • C – Consequences: Welche Gefühle/Handlungen folgen daraus?

Führungskräfte unterschätzen oft, wie stark ihre Interpretation einer Situation ihr Handeln beeinflusst.

3. Selbstwirksamkeit stärken

Selbstwirksamkeit heißt: Ich erlebe mich als handlungsfähig.

Im Business-Kontext bedeutet das:

  • Fokus auf Einflussbereich statt Problemgröße

  • bewusste Entscheidungsräume schaffen

  • kleine Erfolge sichtbar machen

Resilienz wächst durch Erfahrung, nicht durch Theorie.

4. Netzwerkorientierung aktiv nutzen

Viele Führungskräfte tragen zu viel allein. Die 7. Säule erinnert daran: Austausch ist kein Zeichen von Schwäche.

Peer-Dialoge, Sparringspartner oder Coaching schaffen Reflexionsraum – besonders in exponierten Rollen.

Konkrete Praxisimpulse

Was sich im Führungsalltag bewährt hat:

  • Starte Meetings mit einem kurzen „Lagebild“ statt direkt in Aufgaben zu springen.

  • Frage dich bei Druck: „Was liegt wirklich in meinem Einfluss?“

  • Trenne klar zwischen Fakt und Interpretation.

  • Plane bewusste Regenerationsfenster ein – auch bei hoher Verantwortung.

  • Sprich Unsicherheiten an, statt sie zu überspielen.

Mini-Übung (5 Minuten Reflexion):

  1. Welche Situation belastet mich aktuell am meisten?

  2. Welche Säule ist hier besonders gefordert?

  3. Welche Annahme treffe ich gerade – ist sie überprüfbar?

  4. Was wäre eine konstruktive Alternative?

  5. Welchen kleinen Schritt gehe ich heute?

Reflexionsfragen:

  • Wo reagiere ich unter Druck weniger souverän, als ich es möchte?

  • Welche Haltung würde meinem Team jetzt Stabilität geben?

  • Wie sichtbar ist meine eigene Selbstfürsorge im Führungsalltag?

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Resilienz vs. Stressmanagement
Stressmanagement ist situativ. Resilienz ist eine innere Grundhaltung.

Resilienz vs. Achtsamkeit
Achtsamkeit stärkt Wahrnehmung. Resilienz ergänzt Handlungsfähigkeit.

Resilienz vs. Mental Toughness
Mental Toughness betont Durchhalten. Resilienz integriert Flexibilität.

Resilienz vs. Agilität
Agilität ist eine Organisationskompetenz. Resilienz beginnt bei der Person.

Coaching-Perspektive: Wann hilft Coaching?

Viele Führungskräfte kommen nicht mit dem Anliegen „Ich will resilienter werden“.

Sie sagen eher:

  • „Ich funktioniere nur noch.“

  • „Ich bin schneller gereizt.“

  • „Ich zweifle an meiner Wirkung.“

  • „Ich trage zu viel allein.“

Im Coaching wird sichtbar, welche Säulen stabil sind – und wo innere Antreiber, Perfektionismus oder Kontrollmuster Resilienz blockieren.

Wirkung:

  • mehr emotionale Klarheit

  • reflektierte Entscheidungsfähigkeit

  • bessere Selbststeuerung unter Druck

  • gesunde Leistungsfähigkeit

Resilienz entsteht nicht durch Durchhalten. Sondern durch bewusstes Innehalten.

Fazit

  • Die 7 Säulen der Resilienz bieten eine klare Struktur für innere Stabilität.

  • Resilienz ist trainierbar – besonders im Kontext von Führung.

  • Sie stärkt Entscheidungsfähigkeit, Vertrauen und Kultur.

  • Kleine bewusste Schritte wirken nachhaltiger als radikale Vorsätze.

FAQ zu „Resilienz 7 Säulen“

Was sind die wichtigsten Säulen für Führungskräfte?
Besonders relevant sind Selbstverantwortung, Lösungsorientierung und Netzwerkorientierung – sie beeinflussen direkt Kultur und Entscheidungsqualität.

Kann man Resilienz wirklich trainieren?
Ja. Durch bewusste Reflexion, kognitive Neubewertung, Feedback und Coaching. Entscheidend ist kontinuierliche Praxis, nicht einmalige Impulse.

Wie lange dauert es, Resilienz aufzubauen?
Resilienz ist kein Projekt mit Enddatum. Erste Veränderungen in Haltung und Reaktion sind oft innerhalb weniger Wochen spürbar – bei konsequenter Anwendung.

Resilienz zeigt sich nicht im Theoriewissen, sondern im Moment, wenn es schwierig wird. Wenn du spürst, dass Druck, Verantwortung oder Veränderung gerade viel Raum einnehmen, kann ein strukturierter Blick auf deine 7 Säulen Klarheit schaffen.

Kurz sprechen? In einem vertraulichen Austausch schauen wir gemeinsam auf deine aktuelle Situation.

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